Samstag, 3. Dezember 2011

Mich kann man ja leicht begeistern

Passend zum Thema "Kunst" fällt mir gerade auf, wie leicht man mich auch aufregen kann. Neulich fuhr an mir eine U-Bahn vorbei, die man wohl in entsprechenden kriminellen Kreisen als "Whole Train" bezeichnet. (Sofern das nicht mehr die gängige Bezeichnung in diesen Kreisen ist, dann bitte ich meine Unkenntnis eurer kriminellen Fachsprache nicht mächtig zu sein, zu entschuldigen)
Konkret handelte sich dabei um eine U-Bahn die komplett von vorne bis hinten mit Graffiti zugesprüht war. Wohlgemerkt nicht nur ein Waggon, sondern die ganze Bahn.
Generell finde ich Graffiti in Ordnung, aber eben nur wenn es sich dabei um echte Bilder handelt. Und auch nur dann, wenn sie sich an Orten befinden, die keinen stören und wenn dadurch nicht das Eigentum anderer Menschen beschädigt wurde.
Wenn es sich nur um "Tags" (also schlecht erkennbare Buchstabenkombinationen in möglichst verschnörkselten Varianten, die im weisten Sinne die Signatur des jeweiligen Sprayers darstellt) handelt, dann finde ich es ziemlich beschissen.
Und ganz besonders wenn man sie, wie hier in Neukölln, ständig an frisch gestrichene Häuserwände und Haustüren schmiert. Das ist asozial und bescheuert. Und das ganze auf einen ganzen U-Bahnzug auszudehnen ist noch blöder. Vor allem habe ich mich über die Farbkombinationen gewundert. Helles silber, dunkles silber und schwarz. Und die Buchstaben waren wirklich einfach nur riesig und es war nur ein minimales Maß an Verschnörkselung (dieses Wort gehört jetzt mir!) erkennbar. Im Klartext: Das hätte ich selber auch hinbekommen und sogar erheblich besser! Und meine Tag (Pseudonym "Hans Jörg") kann man dann wenigstens noch entziffern. 
Ich meine selbst in diesen Kreisen muss dass doch eher geringe Ankerkennung finden, da dahinter ja nun wirklich nicht viel Kreativität, sondern vor allem viel kriminelle Energie und die Lust auf Vandalismus steckt.
In jedem Fall hat mich diese komplett zugesprühte U-Bahn echt total aufgeregt und ich musste sofort wieder an die "schlechtesten Sprayer der Stadt" denken und dann irgendwie trotzdem lachen, denn Berlin hat davon echt verdammt viele. Wahnsinn, wenn unten oben wäre, dann wären wir echt in so vielen Bereichen Weltklasse. 
Schöne Grüße aus der großstädtischen Provinz
sendet Euch
Hans Jörg

3 Kommentare:

  1. Lieber Hans Jörg, "sinnlose Verschnörkselung" sind keineswegs ein neues oder gar
    berlintypisches Phänomen des Graffiti und als asozial abzustempeln. Hierzu empfehle ich dir Baudrillards "Kool Killer oder der Aufstand der Zeichen". Gibts bei Amazon schon für 4,90 plus Porto - aber nur für den Fall dass du anhand vom Phänomen Graffiti eine ziemlich spannende postmoderne Medientheorie lesen willst. Störender find ich da schon, dass ich tatsächlich keine Gelegenheit mehr habe, irgendwo in meiner Lebenswelt immer größer werdender Werbemonstern aus dem Weg zu gehen - das find ich asozial.
    "Auch Deutschlands Szene muss sich zukünftig gut tarnen. Denn die Republik rüstet auf. Angestachelt von Vereinen wie Nofitti e.V. (melodramatischer Untertitel: „Bürgerinitiative zur Rettung des Berliner Stadtbildes“) beschloss der Bundestag im Mai 2005 eine Strafrechtsverschärfung: Bis zu zwei Jahre Haft sollen Sprayer abschrecken. Seither überfliegen BGS-Hubschrauber das Land und spüren Missetäter mit Infrarotkameras auf –als seien Sprayer wie Terroristen zu bekämpfen." (Greenpeace)

    Warum wirbt eigentlich Nofitti nicht an
    U-Bahnhöfen Hermannstraße bis Boddinstraße? Die Großflächen an den Wänden kosten doch nur 15 Euro pro Tag, und wieviel Verschmutzungsfläche den ganzen Assis damit erspart bliebe. Wahnsinn!

    Erik

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  2. Tja, da haben wir wohl fundamental unterschiedliche Ansichten zu Neukölln und Graffiti. Macht nix, das muss eine Demokratie und dieses Blog aushalten.

    Und ja, ich finde die Schmierereien an den Häuserwänden Berlins (oder jeder anderen Stadt) asozial. Wenn der Besitzer nicht darum gebeten hat, dann ist das Sachbeschädigung und daher kriminell und asozial. Und niemand kann mir erzählen, dass Tags wirklich Kunst sind und man damit dem Besitzer der Wand eine Freude macht ;-)

    Gefängnis finde ich übertrieben. Putzdienst fände ich besser :-)

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  3. Passend dazu:

    http://www.tagesspiegel.de/mediacenter/fotostrecken/berlin/berliner-street-art/1733444.html

    Und ja, da sind auch Sachen dabei, die auch mir gefallen :-)
    Trotzdem ist es es asozial und kriminell
    :-P

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